

HEUTE wie EINST ist eine Reise durch Kaschnitz’ Gedankenwelten. Sie setzen sich mit
Themen wie Identitätsfindung, Hass, Krieg, Vertreibung, Heimatlosigkeit, Zerstörung,
Menschsein und Glück auseinander. Diese Themen lesen sich heute, 50 Jahre später, noch immer hochaktuell und entfalten neue Wirkkraft. Wie oft wird sich der Kanon menschlicher Verfehlungen wiederholen? Auf welche Weise können aus traumatischen Erfahrungen und Leid neue, heilsame und friedvolle Zustände entstehen? In diesem Reigen: Welche Rolle spielt dabei jeder Einzelne von uns? Der Abend möchte zweifellos unterhalten, aber auch zum Innehalten, zur Reflexion und zum Austausch anregen.
Zum Bühnengeschehen:
Die Protagonistin des Abends interessiert sich für Pilze und sammelt keine Briefmarken.
Fragen zu ihrer Person kann sie nicht eindeutig beantworten. Sie stellt sich selbstkritische Fragen über den Sinn des Lebens und ihre Haltung zur Welt. Wer sind wir? Was machen wir? Warum leben wir? Sie bezweifelt, irgendetwas mit Gewissheit wissen zu können, da sich schließlich jederzeit alles ändern kann. Dass sich alles verändert, sieht sie nicht nur daran, dass neben ihrem Haus ein fremdartiges, vielstöckiges Pilzhaus gebaut werden soll, sondern auch daran, dass sich die weltpolitischen Fronten verhärten. Sie spürt, wie ihr kleines Leben
von den großen Themen erfasst wird, und verstrickt sich in Gedankenspielen “Wie – Wäre – Es – Wenn.” Für sie gilt „Rettung durch Fantasie“, denn sie weiß nicht, was sie der menschlichen Zerstörungswut entgegensetzen kann. Schimpfen? Meditieren? Singen? Doch dann findet sie unerwartet einen ihr unbekannten Pilz, der ihr eine neue Sicht auf die Welt eröffnet. Für die 2007 von der Künstlerin Brigitte Leistikow ins Leben gerufene Reihe Lyrik trifft Töne hat der italienische Komponist Alberto Mompellio sechs Gedichte der heute fast in Vergessenheit geratenen Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz für die Besetzung Stimme und Klavier vertont. Mompellios musikalische Interpretationen erwecken die Lyrik Kaschnitz' harmonisch und rhythmisch zum Leben und verleihen dem HEUTE wie dem EINST einen neuen Soundtrack. Brigitte Leistikow (Stimme) und Marco Ramaglia (Klavier) bringen diese musikalischen Gedichtinterpretationen als szenische Konzertlesung am 1. Oktober 2025 in
der Romanfabrik in Frankfurt zur Uraufführung. Szenisch gelesen werden Auszüge aus
Kaschnitz' tagebuchartigen Aufzeichnungen. Musikalisch erweitert wird der Abend mit Gong- Klängen und Erik Saties Klavierstück „Vexation”.
Regie und Dramaturgie: Brigitte Leistikow und Elisabeth-Marie Leistikow.

